STROM NACHRICHTEN
Die Bundesregierung treibt den Bau neuer Gaskraftwerke voran und plant dafür milliardenschwere Subventionen, um Stromlücken bei Dunkelflauten zu schließen. Vorgesehen sind Ausschreibungen für bis zu zwölf Gigawatt steuerbare Leistung. Die Kosten sollen über eine neue Umlage auf den Strompreis finanziert werden, die von den Stromkunden zu tragen wäre. „Die Höhe der Umlage kann daher noch nicht abgeschätzt werden“, schreibt Staatssekretär Frank Wetzel. Eingeführt werden soll sie mit einem Gesetz im Jahr 2027, erhoben ab 2031.
Deutschland treibt den Ausbau neuer Gaskraftwerke voran, um die Versorgungssicherheit in einem zunehmend von erneuerbaren Energien geprägten Stromsystem zu gewährleisten. Nach einer Grundsatzeinigung mit der EU-Kommission plant die Bundesregierung Ausschreibungen für insgesamt zwölf Gigawatt neuer steuerbarer Kraftwerkskapazität. Die Anlagen sollen einspringen, wenn Wind- und Solarstrom nicht ausreichen – etwa während sogenannter Dunkelflauten.
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums sollen zehn Gigawatt der Kapazität als langfristig verfügbare Leistung vergeben werden, vor allem an moderne Gaskraftwerke. Weitere zwei Gigawatt sind technologieoffen ausgeschrieben, sodass auch Speicherlösungen zum Zuge kommen können. Die Ausschreibungen sollen ab 2026 in mehreren Runden erfolgen, die neuen Kapazitäten spätestens 2031 ans Netz gehen.
Ein modernes Gaskraftwerk liefert je nach Bauart zwischen 500 und 800 Megawatt Leistung. Insgesamt sind derzeit rund 35,6 Gigawatt Erdgaskapazität in Deutschland installiert.

Unklar bleibt, welche Kosten mit der Kraftwerksstrategie verbunden sind – und wer sie letztlich tragen wird. Gaskraftwerke, die nur bei Engpässen laufen, gelten als wirtschaftlich schwer tragfähig. Um Investitionen anzureizen, plant die Bundesregierung daher einen Kapazitätsmechanismus, bei dem Betreiber für die bloße Vorhaltung von Leistung bezahlt werden.
Wie hoch die finanzielle Belastung ausfallen wird, ist bislang offen. „Die Höhe der Umlage kann daher noch nicht abgeschätzt werden“, schreibt der zuständige Staatssekretär Frank Wetzel. „Die Umlage soll erst mit dem Gesetz zum Kapazitätsmarkt im Jahr 2027 eingeführt und ab 2031 erhoben werden.“ Der Strompreis wird also weiter steigen.
Nach derzeitigen Planungen könnte die Finanzierung entweder über den Bundeshaushalt oder über eine neue Umlage für Stromkunden erfolgen. Damit würde der Kapazitätsmarkt zu einem zusätzlichen Bestandteil des Strompreises – neben Netzentgelten, Steuern und Abgaben.
Kritiker warnen vor steigenden Kosten. Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Michael Kellner, kritisierte die fehlende Kostentransparenz scharf. „Kaum zu glauben, dass die Bundesregierung nicht weiß, wie teuer der Strompreis durch die Kraftwerksstrategie wird. Klar ist nur, der Strompreis steigt“, sagte Kellner der *Welt*.
Kellner forderte, den Kapazitätsmarkt nicht zu groß zu dimensionieren und tatsächlich technologieoffen auszugestalten. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass sich Deutschland langfristig an fossiles Gas binde, obwohl Alternativen wie Speicherlösungen verfügbar seien.
Die Bundesregierung hält dem entgegen, dass Versorgungssicherheit oberste Priorität habe und technologische Offenheit bereits Teil der Strategie sei.
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums müssen alle neuen Kraftwerke wasserstofffähig sein und spätestens bis 2045 vollständig dekarbonisiert werden. Weitere Ausschreibungen in den Jahren 2027 und 2029 sollen vollständig technologieoffen sein; emissionsintensive Anlagen wie Kohlekraftwerke sollen ausgeschlossen bleiben. Zusätzliche Anreize sollen einen früheren Umstieg auf Wasserstoff ermöglichen.
Mehrere große Energieversorger haben bereits Interesse signalisiert. RWE, Uniper und Steag Iqony planen zusammen Investitionen in mehreren Gigawatt neuer Kapazitäten. Für die Branche eröffnet die Kraftwerksstrategie neue Geschäftsperspektiven – für Politik und Verbraucher bleibt jedoch die zentrale Frage, wie teuer die Absicherung der Energiewende letztlich wird.
Datum: 03. Februar 2026
Author: Linda Marie Holm