2024-05-18

Stromknappheit in Deutschland ohne Atomkraft?

Nach Abschaltung der letzten AKW wurden düstere Szenarien gezeichnet von einer unvermeidbaren Stromknappheit in Deutschland. Doch wir sind auch ohne eigenen Atomstrom sehr gut über den Winter gekommen, was die Zahlen eindrucksvoll belegen.

Keine Kernenergie mehr. Woher kommt jetzt unser Strom?

Die Gesamtbilanz der 3 Wintermonate nach dem endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie fällt positiv aus. Vergleichen wir mit den Zahlen des Vorjahres:

Stromversorgung nach Ausstieg aus Kernenergie, Stromknappheit

Im Winter 2022-2023 haben deutsche AKW noch 6,3 Terawattstunden [TWh] Strom ins Netz geliefert. Befürchtet wurde, dass Deutschland diese Strommenge aus fossilen Energien gewinnen muss und damit in der „Kohlefalle sitzt“. Das Gegenteil ist eingetreten. Hierzulande wurde in diesem Winter 29% weniger Kohle verstromt als im Vorjahreszeitraum [-12,4 TWh]. Die Stromerzeugung aus Erdgas blieb konstant und Deutschland hat in diesem Winter unterm Strich sogar einen Exportüberschuss von 4 TWh.

Im Jahresvergleich wurde statt dessen deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt, was auf den Ausbau von Windenergie und Photovoltaik zurückzuführen ist. Die Stromerzeugung aus Wind-, Sonne & Co. stieg während der letzten 3 Wintermonate um 16 TWh auf ein neues Rekordhoch von 76,6 TWh. Das waren 26% mehr als im Vorjahreszeitraum.

Aber auch der Stromverbrauch in Deutschland ist zurückgegangen, was teilweise auf die gesunkene Produktion in der Industrie zurückzuführen ist, aber auch auf Sparmaßnahmen sowohl in der Industrie und Wirtschaft als auch bei den privaten Verbrauchern. Für Januar und Februar 2024 lagen noch keine Zahlen vor, doch der Jahresstromverbrauch 2023 lag mit 529 Mrd. Kilowattstunden nur 3,9% unter dem Gesamtverbrauch von 2022 [551 Mrd. kWh, brutto].

Nach dem Atomausstieg wurde Strom sogar billiger

strompreis entwicklung stromboerseZum Thema „Strompreisexplosion nach Atomausstieg“: Der Preis für Strom an der Börse hat mittlerweile wieder das Niveau von vor der Energiekrise erreicht, trotz der Stilllegung deutscher Atomkraftwerke. In diesem Winter wurde für die Megawattstunde im Schnitt nur noch 68 Euro gezahlt. Im Vorjahreswinter waren es noch 162 Euro.
Die gesunkenen Börsenstrompreise kommen langsam auch bei den Verbrauchern an. Bei Bestandsverträgen ist der Kilowattstundenpreis um 18% auf 37 Cent pro Kilowattstunde gefallen. Neuverträge liegen im Schnitt sogar schon bei 26 Cent. [Strompreisentwicklung Details]

Datenquellen: Energy-Charts.info, Umweltbundesamt.de auf Basis der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, European Energy Exchange

Voller Marktüberblick: Die besten Stromtarife für Wechsler
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